Der Marsch des Schweigens fand 2018 zum 23. Mal statt

Mehrere tausend Menschen zogen am Sonntagabend durch die Innenstadt von Montevideo, entlang der 18 de Julio. Sie folgten auch in diesem Jahr dem Aufruf der Hinterbliebenenorganisation Madres y Familiares de Uruguayos Detenidos Desaparecidos (Mütter und Angehöriger verhafteter verschwundener Uruguayer). Das diesjährige Motto lautete: Straflosigkeit. Verantwortung des Staates. Gestern und heute. An der Kreuzung 18 de Julio und Magallanes standen auch Lucia Topolansky, die derzeitige Vizepräsidentin Uruguays und ihr Ehemann, der Ex-Präsident José Mujica. Beide gehörten zu den Tupamaros und verbrachten viele Jahre im Gefängnis. Auf die Frage des Reporters, ob es immer noch einen Schweigepakt des Militärs gäbe, um zu verhindern, dass die Suche nach den Verschwundenen Fortschritte mache, bestätigt Mujica dies und führt aus: „Offensichtlich haben die verantwortlichen Militärangehörigen nicht über die Geschehnisse gesprochen. Hoffen wir, dass die Wahrheit trotzdem herauskommt, vielleicht auf eine ganz unerwartete Art und Weise.“ Sehr ähnlich drückte es auch der Erzbischof von Montevideo, David Sturla in einem Tweet aus: „Ein Tag der schmerzhaften Erinnerung für unser Land und eine gerechte Forderung der Familien erfahren zu wollen, wo ihre Verschwundenen sind. Möge der Heilige Geist jene erleuchten, die mit ihrer Entscheidung für Gerechtigkeit und Frieden unter den Uruguayern sorgen könnten.“
Auch Rafael Michelini, Senator für die Frente Amplio und Sohn des am 20. Mai 1976 ermordeten Politikers Zelmar Michelini, gehörte zu den Teilnehmern: „Jedes Jahr am 20. Mai marschieren wir für die Wahrheit, die Gerechtigkeit, die Erinnerung und für Niemals wieder Staatsterrorismus.“ In Erinnerung an die Ermordung der beiden Politiker Zelmar Michelini und Héctor Gutiérrez Ruiz wurde das Datum der Schweigemärsche gewählt. Immer am 20. Mai.
Die Familien, die auch 33 Jahre nach dem Ende der Diktatur nicht wissen, wo ihre ermordeten Angehörigen verscharrt wurden, werden von vielen Uruguayern unterstützt. „Wir sind alle Angehörige“ steht auf den Bannern, die sie tragen und immer wieder die Bilder der jungen, vor über 40 Jahren Verschwundenen, Männer und Frauen.
Nicht nur in Montevideo fand ein Schweigemarsch statt, im ganzen Land fanden Schweigemärsche statt, und transportierten so sehr eindrucksvoll die Botschaft: Der Tag an dem das Schweigen schreit. Die Menschen sind das Schweigen der Verantwortlichen leid, alle wissen, was passiert ist, jetzt geht es endlich darum, die Überreste zu identifizieren und zu begraben. Über 200 Menschen werden immer noch vermisst!