Monument

Über die künstlerische Konzeption hinaus ist mein Beitrag hier als Deutscher die Erfahrung mit dem Schweigen im Nachkriegsdeutschland. Die Auseinandersetzung mit den Verbrechen der Nazi-Diktatur war auch in Deutschland ein langer Weg und erfordert einen öffentlichen Diskurs, der notwendig war für einen gesellschaftlichen Heilungsprozess.

Die räumliche Verdichtung durch einen Kubus und die freie künstlerische Gestaltung der Skulpturen ergeben zusammen den Kern der zukünftigen Gedenkstätte.

Mit diesem Kubus greife ich zentrale Formen meiner künstlerischen Arbeit auf. Zum einen der Kubus als Mittel der Auseinandersetzung mit dem Raum, als Symbol für unsere Eingriffe in den Raum und der Sichtbarmachung der Veränderungen die durch unsere Eingriffe, beispielsweise im Stadtbild, entstehen und ihren Auswirkungen auf die Umgebung und die Menschen. Zum anderen der Ausdruck von Gedanken, Emotionen, Ideen nicht in Sprache, sondern in Bildern – an dieser Stelle in Form von Skulpturen.

Beschreibung

 

Die Gedenkstätte besteht grundsätzlich aus zwei Objektgruppen: Kubus und Skulpturen.

Der obere Kubus steht für das Helle, Lichte und ist vollständig aus mattiertem Glas. Der untere Kubus liegt unter dem oberen Glaskubus unterhalb des Bodenniveaus und sein Raum steht für Stille und Besinnung. Dieser Raum ist über eine Außentreppe zugängig.

Der obere, sichtbare Kubus wird in großzügigem Abstand durch einen Weg aus rotem Sand Uruguays umsäumt. Auf diesem „Weg“ stehen die vier Marmorskulpturen nach den Himmelsrichtungen ausgerichtet.

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Durch die mattierten Glasflächen des oberen Glaswürfels werden Video-, Foto- und Tondokumentationen betroffener Uruguayer und Uruguayerinnen zu sehen und zu hören sein. Des Weiteren ist geplant, Textdokumente aus Gerichtsakten, die den Verhandlungsverlauf der zur Inhaftierung führenden Urteile, nachlesbar auf die Glasflächen zu projizieren. Um Ruhe, Konzentration und Anteilnahme zu ermöglichen, werden die unterschiedlichen Themen, Filme und Textprojektionen auf den vier Flächen des Kubus verteilt dargestellt.

Der Abstand der umgebenden Skulpturen zum Kubus muss so groß sein, dass sowohl eine intensive Betrachtung der Darstellungen auf den Kubus-Wänden als auch die Möglichkeit zur inneren Ruhe und Besinnung durch die Aura der Skulpturen möglich ist. Die vier Skulpturen haben einen jeweils individuellen Ausdruck. Dieser Ausdruck, ihre Anordnung und der Abstand zum Kubus, ermöglichen eine andere Form der Auseinandersetzung mit der Thematik.

Der Raum unter dem Glaswürfel trägt seinen Inhalt in sich selbst. Die Wände sind nackt, aus rauem Beton, ohne Farbe, ohne Licht, ohne weitere Reize. Dieser untere Kubus ist über eine schmale Außentreppe zugängig. Die Gedenkstätte ist Tag und Nacht frei zugängig. Tagsüber sind Texte und auch Videoinstallationen zu sehen, während der Kubus nachts schwach mit freundlichem, angenehmem Licht erleuchtet wird.

Filmische Dokumentation

Zeitzeugeninterviews sind ein zentraler Bestandteil des Gedenkstättenprojektes und untermauern den Anspruch, den Opfern ihre Stimme wiederzugeben. Diese Interviews machen aus den Opfern Akteure, die ihre Geschichte für die nachkommenden Generationen erzählen. Diese Geschichtsschreibung von „unten“ ist enorm wichtig, verhindert sie doch eine Leugnung und Bagatellisierung der begangenen Verbrechen. Denn Zeitzeugen legen Zeugnis ab über Ereignisse, die nach dem Ende einer Diktatur oder Gewaltherrschaft in der Geschichtsschreibung der Mächtigen wenn überhaupt, nur als Fußnote vorkommen.

Die Texte, Ton- und Filmdokumente sowie Materialien, die auf die Wände des Kubus projiziert werden, basieren auf Interviews mit Betroffenen. Dabei soll die ganze Spannbreite des Leidens unter der Diktatur durch die Auswahl der Gesprächspartner abgebildet werden. Das Leiden der Verhafteten und Gefolterten und ihrer Angehörigen gehören zu den seelischen Wunden der Diktatur.

Aus diesen Interviews werden zentrale Passagen ausgewählt für die Präsentation auf dem Kubus, zum Teil als Textdokument, zum Teil als Filmdokument. In den Archiven werden Prozessakten gesichtet und die Prozesse und ihre Urteile dokumentiert und ebenfalls als Dokument auf dem Kubus zum Nachlesen präsentiert.

Die filmische Dokumentation des Interviews, sofern von den Interviewpartnern erlaubt, kann neben der Darstellung auf dem Kubus auch zu einem Dokumentarfilm führen. Als Begleitdokument soll ein Buch mit Interviews von Zeitzeugen, die Opfer der Diktatur waren, erscheinen.